Wissenswertes über den Vogel Strauss

Entstehung:

Der Strauss entstand vor ca. 55 Mio. Jahren in Zentralasien. Von hier aus breiteten sie sich, vor etwa 2,5 Mio. Jahren nach Westeuropa aus. Nach Afrika sind die Vorfahren des heutigen Strausses vor etwa einer Million Jahre „eingewandert".

Wann der Strauss in Europa ausgerottet wurde bzw. keinen Lebensraum mehr hatte, ist nicht bekannt. Noch vor rund 10.000 Jahren und ähnlichen Klimabedingungen wie heute waren z.B. im Raum Wien große Bestände heimisch. Und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kamen Strausse noch wildlebend in Arabien, Palästina und Syrien vor.

Systematik des Strausses:

Die Ordnung der Strausse ist heute noch durch 4 Unterarten vertreten: den Nordafrikanischen Strauss (Struthio camelus camelus), den Ostafrikanischen Strauss (S.c. massaicus), den Somalistrauss (S.c. molybdophanes) und den südafrikanischen Strauss (S.c. australis).

Verhalten:

Strausse sind, sofern der Halter ruhig und freundschaftlich mit ihnen umgeht, anhänglich, neugierig und kaum je aggressiv. Mit einer Ausnahme: Der erwachsene Hahn während der Brutzeit verteidigt sein Revier und seine Hennen. Er mag ungern Störungen und schon gar nicht Fremde in seiner Nähe.
Der Strauss ist ein „Fluchttier". Plötzliche, laute Geräusche können ihn in Sekundenschnelle in panikartiges Rennen versetzen. Hindernisse werden dabei entweder einfach umgerannt bzw. bergen ein erhebliches Verletzungsrisiko. Außerdem kann Lärm vor allem Küken so sehr stressen, dass sie sterben.

Haltungsbedingungen:

Der Strauss passt sich den verschiedensten Klimabedingungen problemlos an. Er kann selbst in Regionen mit erheblichen winterlichen Minusgraden in Offenstallhaltung leben. Halter in Deutschland müssen die beim Bundes-Landwirtschaftsministerium herausgegebenen „Mindestanforderungen an die Haltung von Straussenvögeln" erfüllen. Auf europäischer Ebene hat der „Ständige Ausschuss des Europäischen Übereinkommens zum Schutz von Tieren in Landwirtschaftlichen Tierhaltungen" die „Empfehlung für die Haltung von Straussenvögeln" formuliert, die in Deutschland jedoch nur in ihren "Muss-Bestimmungen" rechtsverbindlich ist.

Haltungspraxis und Fütterung:

Zuchtstrausse werden üblicherweise als Trios (1 Hahn, zwei Hennen) gehalten. Da sie sich in unseren Breiten ihr Futter überwiegend selber suchen und auch nicht ständig in neue „Territorien" versetzt werden wollen, sollte man ihnen soviel Weideland wie möglich zur Verfügung stellen. Während der Brutzeit (etwa Februar bis September) erhalten die Tiere bei ausreichender Grünfuttergrundlage zusätzlich eine Getreidemischung mit hohem Faseranteil. Während der winterlichen „Ruhezeit" werden, je nach Weidemöglichkeit, eine „Erhaltungsmischung" sowie eventuell Heu oder Grassilage angeboten. Wichtig ist, dass das Zusatzfutter immer auf den jeweiligen Nährstoff-Gehalt des natürlichen Futters abgestimmt sein muss.

Legeleistung:

Eine Straussenhenne kann im Jahr bis zu 100 Eier (durchschnittliches Gewicht 1600g) produzieren. Um die Tiere nicht zu überfordern und auch eine gute Kükenqualität zu gewährleisten, empfiehlt es sich jedoch, die Eizahl pro Henne und Saison auf 50-60 zu reduzieren. Bei sachgemäßer und hygienischer Brut und guter Befruchtungsrate kann man pro Henne mit 25 bis 30 Küken rechnen.

Kükenaufzucht:

Küken werden vom vierten Lebenstag an mit einem guten Straussen-Kükenstarter gefüttert und langsam auch an (kurzgehaltenes) Grün gewöhnt. Sie sollten bei gutem Wetter bereits vom dritten oder vierten Lebenstag an Auslauf ins Freie genießen, von der vierten Lebenswoche an auch bei Regen, allerdings sollte ihnen der etwa 20 Grad warme Stall jederzeit zugänglich sein. Kleine Strausse brauchen für Wohlbefinden und gutes Wachstum den häufigen Kontakt zu ihrem Betreuer. Sie sollten nie lange Zeit alleingelassen werden.

Schlachtung:

Der als optimale Fleisch-Rasse geltende „Zimbabwe Blue" oder „Zimbabwe-Blauhals" erzielt bei einem Schlachtalter von etwa 10 Monaten und einem Lebensgewicht von mindestens 100 kg durchschnittlich über 40 kg ausgebeintes Fleisch. Andere Rassen wie der „Namibian Blue" erreichen diese Werte bei meist höherem Schlachtalter von mindestens 12 Monaten ebenso wenig wie verschiedene Kreuzungen, die auf vielen Farmen außerhalb Afrikas gehalten werden.
Die Schlachtung selbst ist völlig unproblematisch. Strausse werden in der Regel elektrisch betäubt (Schweinezange).Nach dem Ausbluten werden die Tiere gerupft, mit Wasser abgespritzt und dann gehäutet. Dabei ist es sehr wichtig, die Haut nicht zu beschädigen. Danach wird der Schlachtkörper ausgenommen und in zwei Hälften geteilt.
Schwierig ist das fachgerechte Zerlegen, da aus jeder Hälfte 17 Muskel einzeln herausgelöst werden müssen, die den Qualitäten Fillet oder Steak bzw. Braten zugeordnet sind. Hinzu kommt, dass Straussenfleisch im Hinblick auf seine Struktur mit keiner anderen Fleischart verglichen werden kann.


© 1/2004 by Uschi Braun/ Christoph Kistner, 77815 Bühl, Germany

 

wiisenswert1
wissnswert2
wissenswert5
wissenswert4
wissenswert3
wissenswert6